UNISEX / JENSEITS VON GESCHLECHT
Als Teenager hatte ich eine Phase, in der ich mir gewünscht habe, als Junge geboren zu sein. Es war nur eine Phase—aber eine, die mich geprägt hat.
Über Monate hinweg habe ich mich wie ein Junge gekleidet, meine Haare kurz getragen. Ich habe mich in der Rolle als Mädchen nicht wohlgefühlt. Während andere in meinem Alter anfingen, sich zu schminken, habe ich bewusst darauf verzichtet. „Hübsch“ zu sein war nie mein Ziel. Ich wollte immer lieber cool sein. Das erschien mir erstrebenswerter—und irgendwie auch sicherer. Es hat mir ein Gefühl von Schutz gegeben. Von Stärke.
Damals gab es noch keine Handys. Und trotzdem bin ich nachts um drei alleine durch Berliner Parks nach Hause gegangen. Vielleicht war es mein Äußeres, das mich geschützt hat. Vielleicht war es Glück. Vielleicht etwas anderes. Aber in dieser Zeit habe ich verstanden, was Kleidung mit uns macht—nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich.
Ich habe viel ausprobiert. Verschiedene Phasen durchlebt—Punk, Goth, Hippie. Aber eine Phase gab es nie: den Wunsch, „hübsch“ zu sein. Ich wollte immer eher besonders sein. Und ich habe Kleidung genutzt, um mich zu schützen—mit Silhouetten, die eher verhüllen als betonen, die den Körper nicht ausstellen, sondern ihn umhüllen.
Es ist also kein Zufall, dass meine Entwürfe, als ich 2004 mein Label gründete, von Anfang an unisex waren—oft androgyn. Ich selbst sah viele Jahre aus wie ein androgyner Zinnsoldat, mit meiner Esther-Kappe als unverwechselbarem Markenzeichen.
In über zwei Jahrzehnten hat sich vieles verändert—ich selbst und meine Arbeit. Aus diesem androgynen Zinnsoldaten ist eine starke Frau geworden, die heute mit Weiblichkeit spielen kann, ohne sich ungeschützt zu fühlen. Und auch meine Entwürfe haben sich weiterentwickelt. Sie sind nicht mehr ausschließlich androgyn, aber sie sind nach wie vor im Kern unisex.
Sie sind für alle gedacht, die sich darin wiederfinden. Unabhängig vom Geschlecht. Unabhängig davon, welchem Geschlecht man sich zugehörig fühlt—oder ob man sich überhaupt einem zugehörig fühlt.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie es sich anfühlt, nicht ganz am richtigen Ort zu sein. Oder sich nach etwas anderem zu sehnen. Oder nach nichts. Genau deshalb ist es mir so wichtig, dass mein Laden—und nun endlich auch mein Onlineshop—ein Ort ist, an dem man einfach sein darf. Ein Raum, in dem Individualität gelebt werden kann.
Die Kleidungsstücke selbst bleiben in allen Kategorien die gleichen. Aber mit der neuen Unisex-Kategorie schaffen wir einen bewusst gestalteten Raum für ein offeneres, inklusiveres Einkaufserlebnis.
Denn online ist das nicht so einfach umzusetzen: Kleidung wird fast immer an Models gezeigt und dadurch automatisch in eine geschlechtliche Lesart eingeordnet. Meine Lösung im Moment ist es, die Stücke in dieser Kategorie zunächst als neutrale Freisteller zu zeigen—ohne Zuschreibung, ohne Kontext. Ein ruhigerer Raum, der es erlaubt, sich den Kleidungsstücken unvoreingenommen zu nähern.
Jetzt unsere Unisex Kategorie entdecken:
