ZERO POINT - Collection AW2026

ZERO POINT

HERBST | WINTER 2026

Zu Hause hängt ein signiertes Foto davon an meiner Wand. Viele kennen diesen Ort—oder sollten ihn kennen. Es wäre schade, wenn nicht. Ich hoffe, sie schenken ihm die Aufmerksamkeit, die ich ihm gebe.

ZERO POINT

ZERO POINT

Wie Malewitschs schwarzes Quadrat der Beginn reiner Abstraktion, der „Nullpunkt“ der Kunst, das Nichts als Ursprung von allem.

Was wäre, wenn sich Kreise im Stoff überlagern? Manchmal transparent, manchmal schwer oder leicht?

Was wäre, wenn ich Kreise nur als Schlitze andeute, das Licht hindurchlasse?

Und was, wenn sie manchmal einfach nur schwarze Kreise sind - ganz ohne Bedeutung? Ich wage kaum zu atmen.

ZERO POINT

Meine Beine sind eingeschlafen, ungelenk beim Aufstehen. Eine Stunde ist vergangen.

ZERO POINT...

…der Zustand minimaler, doch unendlicher Energie unsichtbares Fundament für Bewegung, Veränderung, Zukunft. Aus Stille entsteht Transformation. Selbst in der Dunkelheit: eine ständige Vibration.

Berlin. Ein verregneter, grauer Tag. Warum zieht es alle nach Berlin? Ich bin einmal gegangen. Jahre vergingen. Ich kam zurück. Jetzt weiß ich, warum.

Ich könnte stundenlang hier sitzen, immer wieder. Habe ich schon oft getan. Auch heute wieder. Die meisten stehen. Ich sitze — die Beine überschlagen, mache es mir be- quem, wissend, dass ich lange verweilen werde.

Nur mein Geist ist wach, arbeitet auf Hochtouren. Ich kenne dieses Gefühl. Jetzt—einfach stillhalten… Ich spiele ein Spiel mit meinem Kopf: „Was wäre, wenn?“ Und schon beginnt es…

Ein Kreis - kein Anfang, kein Ende. Unendlichkeit. Das gefällt mir. In meiner Suche nach dem Ton Schwarz versuche ich, die Tiefe der Unendlichkeit zu spüren immer weiter, immer tiefer.

ZERO POINT

Noch immer bewege ich mich nicht.

Was wäre, wenn Kreise die Kleidung durchbrechen neue Möglichkeiten fürs Styling eröffnen?

Was, wenn diese Schlitze wie Kreise wirken, eingefräst in dicke Buchdeckel — wie Skulpturen? Oder eingefasst in den zartesten Stoff, so leicht, dass sie davonfliegen könnten?

Ich habe wunderschöne Menschen gesehen eine andere Körperlichkeit: weich, und doch scharf geschnitten. Warte… Und was, wenn ich die neue Kollektion nur an Männern zeige?

Ich bin allein. Gehe, bleibe stehen und schaue zurück zu den schwarzen Kugeln.

Ich sitze vor zweihundert schwarzen Kugeln sie bewegen sich, schweben, mal symmetrisch, mal in Wellen, schwebend durch die Luft.

Ich bin vollkommen still. Ich bewege mich kaum eigentlich gar nicht.

Unmissverständlich, überall. In vielen Kulturen Zeichen für Sonne, Ewigkeit, Vollkommenheit, Leben. Sonne? Für mich eher der Mond. Ich liebe die Sonne, aber der Mond ist mir näher. Ich bleibe vollkommen regungslos sitzen.

Wie ein schwarzes Loch, vielleicht? Was wäre, wenn? Eine Kollektion, gebaut auf schwarzen Kreisen? Gab es schon. Ja, fast alles gab es schon. Und das zu Recht. Warum? Weil es fasziniert.

Oder dreidimensional gefilzt, wie kleine Hügel aus zartem Grund?

Was, wenn daraus ein Spiel aus Licht und Schatten entsteht Sonne oder Mond im Inneren des Kleidungsstücks?

ZERO POINT

Was wäre, wenn ich meine Eindrücke aus Tokyo einfließen lasse? Tanizaki schrieb: „Schatten ist das eigentliche Medium; darin wird Klei- dung tiefer, würdevoller, poetischer.“ Tokyo war wunderschön.

ZERO POINT

© ESTHER PERBANDT
Fotografie: Ansgar Sollmann
Styling: Christiane Arp & Wiebke Bredehorst